Herzen, Make up und Matrix

Veröffentlicht am 14. Juni 2026 um 19:34

Den folgenden Text schrieb ich schon vor ca. 2 Jahren. Damals hatte ich nicht den Mut ihn zu veröffentlichen. Weil er vielleicht provoziert und ab und zu mit Zynismus glänzt. Aber gerade jetzt, in der Zeit in der es im Netz an Aufforderungen nur so wimmelt, dass man losrennen sollte mit dem Feuerpferd und endlich all seine Träume und Wünsche auf die Straße bringen soll, entsteht bei mir umso mehr das Gefühl, bevor wir losstarten etwas Wichtiges nicht zu übersehen. Uns selbst zu begegnen. Wer in dir sagt dir was du dir wünschst und was nicht, was du brauchst und was nicht, wer du bist und wer nicht? Meine Gedanken dazu...

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In dieser Zeit fällt es mir zunehmend schwerer manche Erscheinungen zu erleben. Vor allem Erscheinungen aus der „spirituellen Szene“. Es ist hier etwas gewachsen, das für mich genau das Gegenteil bedeutet. Egoismus, Selbst-Manipulation, Selbstignoranz, Selbsttäuschung, Grenzüberschreitung, Unachtsamkeit des Anderen gegenüber, Überheblichkeit, noch weniger Eigenverantwortung/Selbstbewusstsein und vor allem noch weniger Authentizität. Es zeigen sich Ideologien, durchgezogen und präsentiert im Namen des Großen Ganzen, in dem ich mir einbilde zu wissen was das Beste ist, weil ich ja täglich meditiere und ein paar Ausbildungen habe. Es wird der Eindruck vermittelt dass ich im Herzen bin und in der Liebe, weil ich ja Herzen und Blumen verschicke. Wenn ich meine zu wissen was das Richtige für mich ist und auch für Andere (!), dann gehe ich durch alle Widerstände dafür, ja, mit der Erklärung für mich, das Universum prüft mich wahrscheinlich lediglich ob ich genug Willen habe es durchzuziehen. Wenn jedoch etwas auf mich zukommt was nicht mit meiner Überzeugung einhergeht, dann „ist es Deins, und nicht Meins“, und hat sicherlich mit irgendwas Anderem zu tun, aber nicht mit mir. Und man dreht sich um und geht. Ja, fühlt sich gut an und die ganzen spirituellen Sprüchlein bestätigen das ja. Quasi wenn‘s mir passt dann bin ich ja mit allem verbunden, wenn‘s grad unangenehm ist, dann mit dir jetzt nicht und du hast sehr sicher nichts zu tun mit mir, sondern nur mit dir selbst. Tut mir leid, du beschmutzt und minderst mein leuchtendes Energiefeld.

Ich halte die Fahnen hoch mit Frieden, Freude, Gleichmut und Liebe, vermittelt mit meiner bemüht sanften heiteren Erscheinung und bin innen in Wirklichkeit Welten davon entfernt. Benutze ständig Phrasen der doch so großen Bewusstheit und Herzigkeit. Ich sehe und deute überall Zeichen, aber nur, wenn sie zu meiner momentanen Bedürftigkeit und dem Nutzen passen. Man gibt sich im Namen der All-Verbundenheit unverbindlicher und grenzüberschreitender denn je. Ungeachtet der Gefüge und Verbundenheit von bestehenden Systemen. Weil wenn jetzt meine innere Stimme das sagt und die Welt ja nur eine Spielwiese ist, dann geht mich das Befinden irgendeines anderen nichts an, der mich persönlich gerade in dem Zusammenhang nicht so interessiert. Wenn jemand sich abwendet von mir oder mich gerade nicht in mein Schema passend mit etwas konfrontiert, dann räumt das Universum wahrscheinlich gerade auf und entfernt für mich die Schädlinge. Ist zwar irgendwie doof, aber hilft ja nix und hat sehr sicher seine Richtigkeit. In meinem Raum sehe ich mich nicht um und muss mich auch mit nichts beschäftigen.

Es ist fast schon faszinierend wie willkürlich das Gesetz von Ursache und Wirkung benutzt wird. Das Pippi Langstrumpf Prinzip als bedürftiges Ego Variante. „Ich mach mir die Welt, so wie sie mir gefällt“. Dass ich die Verantwortung übernehme, was ich in die Welt setze oder lostrete, oder wie ich sie empfinde (!) ,Nee…

 

Die eigene Spiritualität wird als Aushänge Schild benutzt, als Alibi und als Tarnung. So wie Make up, dass mich nach außen hin verschönern soll, mich präsentiert, rechtfertigt, unangreifbar macht und mein inneres Unheilsein vertuschen soll. Meist ohne zu bemerken, dass ich auch mit diesem Tun nur vor mir selbst davonlaufe.

 

Nein, ich rede bei all dem nicht von völlig bewusstem absichtlichen Tun… eben unbewusst…und genau deswegen sollten wir uns aufrichtig selbst begegnen.

 

Wie wäre es wenn ich mich bei den vielen Geschehen folgendem zuwende. Diese doch so schönen Affirmationen hinterfrage. „Tue was Dir wichtig ist“, Tue was Dir gut tut“. „Traue Deinem Bauchgefühl“ Ja, super. Nur - jeder der Ängste, tiefe Prägungen und Urwunden in sich hat, hat verdammt viel Bauchgefühl wenn sie berührt werden. Und ganz ehrlich – die haben wir alle. Manche mehr, manche weniger. Deswegen denke ich uns selbst Fragen zu stellen wie, „Was treibt mich denn dahinter an? Was ist meine wirkliche Motiviation dahinter? Warum tut mir das gut? Was spricht denn hier? Lenkt meinen Geist/Bewusstsein ein Mangel, eine Bedürftigkeit, ein verletztes inneres Kind, eine Angst?“, ist essentiell.

Klingt jetzt verdammt nach Arbeit und anstrengend und niedrigschwingender Energie, wo wir doch die Leichtigkeit und die Liebe und das Licht sein sollen und im Fluss und doch hoooooooch schwingen sollen….?

Meine Antwort ist Authentizität MIR SELBST gegenüber. Das ist für mich der Schritt in Bewusstsein. Wie sollen wir uns über etwas bewusst werden, wenn wir uns unser selbst nicht bewusst werden wollen? Wie sollen wir denn bitte hochschwingen? Indem wir uns immer wieder selbst was vormachen, uns abwehren, verleugnen und ständig so tun als ob? Authentizität und die wirkliche Bereitschaft zur gnadenlosen Aufrichtigkeit uns selbst gegenüber ist der Weg. KONGRUENZ. Der weitere Weg ist für mich ein wirklich spiritueller– die Gabe mich selbst wertfrei und ehrlich zu betrachten, zu erkennen und anzunehmen (Es ist hier NICHT die Rede von Schönreden oder Ausreden oder bissal was ausblenden, richtig, falsch, gut, schlecht, Schuld, Unschuld). Bin ich wirklich wirklich an diesem Punkt, erkenne und sehe ich auch alles andere aus dieser Position. Ich erkenne und fühle die Gleich-Gültigkeit von ALLEM, es öffnet sich der Raum der Schöpfung. Das wahre schöpferische Prinzip von Ursache und Wirkung ohne Bewertung. Ich erkenne in meinem Mikrokosmos den Makrokosmos und die unendlich vielen und komplexen Verknüpfungen und Formen, die ich nicht in der Lage bin zu schauen und ich verstehe auch die Unnötigkeit dessen. Ich schaue das Spiel des Lebens nicht mehr durch die verzerrte „Wünsch dir was“ Brille, werde demütig und „weiß, dass ich nicht weiß“. Ich versuche nicht mehr den Spiegel zu modellieren und mich von Teilen abzuwenden. Ich werde empathisch und sanft mir gegenüber und somit allem anderen. Erkenne dass alles was ich tun kann und sollte, der Weg zu mir ist. Der erst in diesem Zustand leicht und fließend einfach passieren kann. Durch dieses diesmal echte eingebettet, verbunden und verwoben sein bin ich bereit zu transformieren, zu verbrennen und neu geboren zu werden. Ohne rumschrauben zu müssen.

Im Sinne von diesem Satz von Rumi, der erst dann seine wirkliche Bedeutung offenbart:

„Jenseits von Richtig oder Falsch liegt ein Ort, an dem wir uns begegnen“.

Uns selbst und dann erst dem was vor unseren Augen erscheint.

 

Ja, ich denke unser Weltorganismus ist krank. Aber der Weg ist für mich der, dass ich als Zelle dieses Organismus einfach meinen Platz einnehme, in dem ich mich schaue, und mich erinnere dass wir alle demselben Organismus innewohnen. Das ist Verbundenheit.

 

Viele haben in den letzten Jahren begonnen ihr Weltbild zu hinterfragen und bei vielen bröckelte das bisherige. Das ist nicht leicht, weil der Mensch sein Dasein auf Säulen aufbaut. Sie bilden den Boden auf dem ein vernetztes Konstrukt wächst aus dem heraus man sich wiederum ausrichtet und denkt, fühlt und handelt. Quasi hinterfrage ich den Organismus in dem ich lebe und merke plötzlich oder auch langsam Stück für Stück dass ich ein falsches Bild von ihm hatte, auf dem ich aber mein Wirken und Sein aufbaute.

Dann gibt es noch einen wichtigen Part, den wir aber im Zuge dessen derweil wir die Augen auf die Welt und ihr Bild gerichtet haben, vernachlässigen. Das Hinterfragen unseres Selbstbildes. Hier beginnt es dann komplexer zu werden. Wie bereits erwähnt erlebe ich in der spirituellen Szene mehr Abwehr dessen gegenüber als sonst wo. Das Schöpfer Dasein wird für das verletzte Ego genutzt. Es scheint immer nur darum zu gehen sich so zu wenden, dass das wirkliche Hinterfragen meiner Selbst und dem eigenen Organismus weggeschoben werden kann. Wir wünschen uns dass die Matrix bröckelt, sich auflöst und sich neu gebährt, unsere eigene Matrix lassen wir jedoch nicht bröckeln. Da gibt es so viele Varianten die ich erlebe. „Oh, der Mensch tut mir nicht gut, das muss ich wohl jetzt verstehen“. „Oh, da muss ich wohl noch mehr Selbstbewusstsein zeigen, meine Grenzen setzen“ und es bauscht sich stattdessen das Ego (verletzte, nicht integrierte Teile, was auch immer) auf. „Ich bin ja in der Liebe und im Licht, deswegen habe ich recht und ziehe durch.“ „Die Karte hat gesagt, der Seher hat gesagt, der Schamane hat gesagt.“ „Ich bin wohl von außen mit negativen Energien behaftet, bin besetzt, meine Uroma macht das alles“, Usw….usw…..

Das mag alles recht und schön sein, was jedoch klar sein muss – das hat rein gar nichts mit Selbstreflektion oder Selbstbegegnung zu tun. Punkt. Und auch nichts mit Selbstverantwortung. Ich höre gerade wieder die Veto’s. „Aber wir sollen doch hochschwingen, in der Liebe und im Licht sein. Und außerdem habe ich gehört dass man eben nicht so selbstkritisch sein sollte und ganz ganz wichtig, in der Selbstliebe sein. Ich soll mir doch nicht ständig einreden ich bin falsch. Und dieses ständige Hadern und arbeiten müssen mit mir selbst versaut mir die Freude am Leben. Ich bin richtig!“ ….jauchzte das Ego….und thronte weiterhin auf seinem güldenen Sessel, erfreut über diese doch so spirituelle Wahrheit.

 

Es stimmt! „Ich bin richtig“. Dazu sollte ich das ICH aber erst einmal kennen und aufrichtig betrachten und es annehmen. Und nicht nur diese Phrase raushauen und mich mit ihr rechtfertigen für meine Abwendung und Abspaltung mir selbst gegenüber. Weil Fakt ist – das mit dem Hochschwingen wird erst dann wahrhaftig funktionieren. Und auch das mit dem Licht und der Liebe. Solange ich mich selbst ablehne, und das mache ich wenn ich nicht alles sehen will, wird sich das auch im Außen zeigen. Solange ich nicht mit mir im Frieden bin, und das bin ich solange ich mich gegen mich selbst wehre und mich bekämpfe und ablehne, wird sich auch im Außen der Frieden und die Harmonie nicht einstellen. Wirkliche Selbstliebe kann ich auch nicht leben, solange ich nicht ALLE meine Teile liebe, und auch diese so viel beschriebene bedingungslose Liebe nirgendwo finden, solange ich mich selbst verwehre. Das könnte man endlos fortsetzen..

 

„Selbstverurteilung, Selbstbeschuldigung und Hadern mit mir selbst ist nicht gut“. Stimmt auch! Jetzt sollte ich verstehen dass Selbsbegegnung dem nicht gleichbedeutend ist. Es ist nichts anderes als ein Sehen und Verstehen wollen seiner eigenen Matrix. Und ja, da kann es manchmal bei der ein oder anderen Erkenntnis holprig werden, es kann einen richtig schmerzen, traurig machen, erstmal verständnislos zurücklassen über die vorangegangene Blindheit seiner Selbst. Und beim Erkennen was denn in uns gewirkt hat. So wie es auch abläuft wenn wir die äußere Matrix durch-schauen. Deswegen heißt das noch lange nicht, dass wir uns vor uns selbst schuldig bekennen und von uns selbst verurteilt werden müssen. Oder dass wir jetzt offensichtlich falsch sind oder waren. Es ist das Erkennen und Beobachten von uns selbst. In der selben Energie in der uns auch immer gesagt wird wie wir umgehen sollen mit der weltlichen Matrix und dem was in ihr passiert. Die Abwesenheit von Schuld, Unschuld, Richtig, Falsch etc., also unserer eigenen Bewertung, ist der Schlüssel. Zu erkennen was mich antreibt, was meine möglicherweise verletzte Motivation dahinter war und ist, heißt nicht dass ich falsch war und bin! Es heißt ganz puristisch und im besten Fall beobachtend „ich sehe mich“. Und ich werde nichts sehen was nicht existiert in mir. Also ist es in jedem Fall richtig es zu sehen und gehört, zumindest bis zu diesem Moment, so zu mir. ES IST. Das ist Ganzwerden.

 

Stattdessen höre ich auf die mittlerweile vielen Weisen im Netzwerk, die alle verstanden haben und wissen was ich zu tun habe und was mein Weg ist. Sauge mir das heraus, was mich am wenigsten in die Verantwortung für mich selbst nimmt und lehne mich entspannt zurück. Ah, heute wieder ein Portaltag, ein Sonnensturm, so viele Chemtrails, der Tag des Skorpions, Vorsicht Potenzial für Aggressivität heute, usw…. Ach Gottseidank, ich dachte schon das hätte mit mir zu tun. Dann muss ich heute wohl einfach ein bisschen vorsichtig sein, dass mir keiner was tut. Ich bin gewappnet. Ja, und nur deswegen und freilich wegen dem Nachbarn, dem Partner, dem Chef usw…bin ich down, muss weinen, bin wütend…usw.

 

So geht's heiter weiter, in dem ich mir die „richtige“ Umgebung, die „richtigen“ Argumente suche, in der meine Matrix weiter bestehen kann, in Ruhe gelassen wird und alles wonach sie sucht weiter genährt wird.

Ich behaupte nicht, dass es kein Kollektivfeld gibt, sei es kosmisch, oder systemisch, oder sonstwas, aus dem wir spüren und das auf uns „trifft“. Aber wenn es uns dann „be-trifft“, wir daraus Symptome entwickeln, dann hat es irgendetwas mit mir zu tun! Sonst würde es nicht in Resonanz gehen können. Ja, irgendetwas in mir, will genau dann heilen. Und ich selbst bin der Heiler.